Absacker

Täglich warm schützt das Gehirn: Schlaganfallprävention auf Finnisch

Vielleicht erinnern Sie sich an unseren Absacker aus der letzten PAD-MANAGER Ausgabe. Dort berichteten wir über den „World Happiness Report 2018“ der UN, in dem Finnland Platz 1 belegt. Auch bei der Schlaganfallprävention machen die glücklichen Finnen vieles richtig. Denn eine neue finnische Studie deutet darauf hin, dass Saunagänge das Risiko ischämischer Insulte deutlich reduzieren können. Allerdings: Mit gelegentlichen Besuchen der Stadtteilsauna ist es nicht getan. Prof. Dr. Hans-Christian Hansen vom Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster kommentiert.

 

Schlaganfallprävention ist kein Geheimnis. Gegen ischämische Hirninfarkte haben Medikamente einen hohen Effekt, allen voran Antikoagulantien bei Vorhofflimmern. Auch Eingriffe an den Gefäßen können Schlimmes verhindern. Wer erhöhte Blutdruckwerte in Schach hält, aufhört zu rauchen und regelmäßig Sport treibt, der senkt auch schon die Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben einen Schlaganfall mit den nachfolgenden Behinderungen bis zur Demenz zu erleiden. Aber gibt es noch andere Lebensstilfaktoren, die sich günstig auf das Schlaganfallrisiko auswirken?

Saunabesuche: Ein unabhängiger Schutzfaktor vor Schlaganfällen?

Wissenschaftler aus Finnland haben jetzt im Rahmen der prospektiven Kohortenstudie „Finnish Kuopio Ischemic Heart Disease“ untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Saunagängen und (ischämischen wie auch hämorrhagischen) Schlaganfällen gibt. Sie haben 1628 Männer und Frauen zwischen 53 und 74 Jahren, die angaben, regelmäßig in die Sauna zu gehen, über einen Zeitraum von knapp 15 Jahren begleitet. Dabei wurden die Studienteilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Menschen, die nur einmal die Woche in die Sauna gingen, wurden verglichen mit solchen, die die Sauna zwei- oder dreimal bzw. viermal oder häufiger aufsuchten. Die mittlere Temperatur lag etwas über 75°C, und die Hälfte der Personen gingen zweimal pro Woche oder weniger in die Sauna.

 

Die Teilnehmer mit den häufigsten Saunagängen (4-7 pro Woche) waren tendenziell jünger, häufiger männlich, stärker adipös und gaben mehr Alkoholgenuss an, als die Teilnehmer in anderen Gruppen.

 

Insgesamt erlitten im Studienzeitraum 155 Männer und Frauen einen ersten ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall, also knapp jeder Zehnte. Diese Schlaganfälle verteilten sich sehr ungleich: Verglichen mit Studienteilnehmern, die einmal pro Woche saunierten, hatten Studienteilnehmer, die vier- bis siebenmal pro Woche die Sauna aufsuchten, ein um 60 Prozent reduziertes Schlaganfallrisiko (HR 0,39; 95% CI 0,18-0,83). Dieser Unterschied änderte sich praktisch nicht nach Adjustierung für bekannte Schlaganfallrisikofaktoren. Auch Alter und Geschlecht spielten keine Rolle: Häufige – manche würden sagen: sehr häufige – Saunagänge scheinen ein von anderen Lebensstilfaktoren unabhängiger protektiver Faktor zu sein.

 

Inflammatorische Biomarker gehen zurück

Auch in der Gruppe der Studienteilnehmer, die „nur“ zwei- bis dreimal die Woche saunierten, war die Schlaganfallinzidenz geringer als in der Gruppe derer, die einmal pro Woche in die Sauna gingen. Hier wurde das statistische Signifikanzniveau aber nicht erreicht. Eine Kontrollgruppe ganz ohne Saunabesuche gab es nicht. Ätiologisch betrachtet zeigte sich in erster Linie eine Verringerung der ischämischen Schlaganfälle, und diese machte den Gruppenunterschied aus. Schlaganfälle durch Blutungen waren bei den Sauna-Freaks seltener als bei den Gelegenheitssaunierern, der Unterschied war aber nur gering.

 

Mittlerweile haben die Finnen in einer zweiten Veröffentlichung nachgelegt und Informationen zu Biomarkern geliefert, die Hinweise darauf geben könnten, warum Saunabaden günstige kardiovaskuläre Effekte haben könnte. Sauna-Maniacs hatten bereits zum Zeitpunkt der Baseline-Untersuchung signifikant geringere Fibrinogen- und hsCRP-Spiegel sowie niedrigere Leukozytenzahlen als Menschen, die nur einmal wöchentlich saunierten. Im Langzeitverlauf wurden diese Unterschiede dann größer, was die Hypothese stützen würde, dass entzündungshemmende Langzeiteffekte des Saunierens das Herz-Kreislauf-System schützen.

 

Kommentar:

Die vorliegende Arbeit weist auf weitere erfreuliche Zusammenhänge zwischen Hirngesundheit und Sauna hin: Regelmäßige Gänge senken nicht nur Demenz und Alzheimerraten, sondern auch das Schlaganfallrisiko – und zwar gleich um 60%. Ähnliche positive Sauna-Effekte zeigten sich in Untersuchungen von Schmerzpatienten, bei rheumatischen Erkrankungen, bei Lungen- und bei Hautleiden wie Psoriasis und Urtikaria. Messbare Effekte häufiger Sauna-Anwendungen betreffen u.a. die Intima-Media-Dicke der Halsschlagadern, die Lipidprofile und den Blutdruck.

 

Zwar ist die Kausalität der direkten Saunawirkung auf den Schlaganfall hiermit noch nicht gezeigt – schließlich mag die positive Einstellung zum entspannten täglichen Saunieren auch die konsequent auf Stressvermeidung zielende Lebensplanung anzeigen. Oder ist Sauna vielleicht bloß eine einfache Methode, den Blutdruck durch konsequente tägliche Vasodilationsphasen zu senken – und dadurch das Schlaganfallrisiko? Alternative Mechanismen wären die Immunstimulation oder die günstige Beeinflussung des vegetativen Nervensystems, der Gefäßwände in Bezug auf Dicke und Widerstand und auch metabolische Effekte auf die Lipide sowie den Oxidationsstoffwechsel kommen infrage – all dies bleibt offen.

 

Für die generelle Empfehlung zur Schlaganfallprophylaxe, jeden Tag die Woche in die Sauna zu gehen, ist es sicher noch zu früh, und es scheinen ja auch "kleinere Dosen" auszureichen. Kontraindikationen wie instabile Herzerkrankungen, Arrhythmien und niedriger Blutdruck sind stets zu beachten, Dehydratation muss vermieden werden. U.a. deswegen kann Alkoholkonsum bei dieser "Hitzeanwendung" nicht empfohlen werden. Aber die Sauna – das zeigt die Studie überzeugend – wurde richtig und mehrmals wöchentlich durchgeführt über 15 Jahre gut vertragen. Es ist offenbar mehr als eine angenehme Gewohnheit, sich in der trockenen Hitze zu entspannen. Wohl denen, denen es gefällt und die es vertragen.

 

Weitere Studienergebnisse in anderen Populationen und die Frage der Sekundärprophylaxe wären interessant. Zu vermuten ist, man mag bereits leichte zerebrovaskuläre Schädigungen erlitten haben und nicht einmal finnischer Herkunft sein – und profitiert dennoch.

© Fotos Markus M. Gutschow

Quellen:

Kunutsor S et a. Sauna bathing reduces the risk of stroke in Finnish men and women: a prospective cohort sturdy. Neurology 2018; 22:e 1937-44

 

Kunutsor S et al. Longitudinal associations of sauna bathing with inflammation and oxidative stress: The KIHD prospective cohort study. Ann Med 2018; 1. Juni 2018; doi: 0.1080/07853890.2018.1489143

Herausgeber: ORION Pharma GmbH, Notkestraße 9, 22607 Hamburg
Tel +49 (0) 40 / 89 96 89 - 0

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